DIE MENSCHENRECHTS-
PREISTRÄGER

Westjordanland 2019/2020

Youth of Sumud

Palestine

Die bei der Operation Daywork Vollversammlung am 24.05.2019 anwesenden Schüler/innen haben entschieden und den OD Menschenrechtspreisträger 2019/2020 gewählt: die Organisation Youth of Sumud (At-Tuwani, Hebron-Westjordanland).

Wer ist Youth of Sumud?

Youth of Sumud (YOS) ist eine informelle Gruppe, die im Jahr 2017 gegründet wurde und aus etwa 20 palästinensischen Mädchen und Jungen zwischen 15 und 22 Jahren besteht, von denen viele Schüler/innen oder Studenten/innen sind.

Was machen sie?

Die Jungen und Mädchen von YOS leben und arbeiten in Sarura, einem kleinen palästinensischen Dorf in den Hügeln südlich von Hebron, das in den 1990er Jahren aufgrund der anhaltenden Gewalt durch israelische Siedler aufgegeben wurde. Sarura erhebt sich zwischen zwei israelischen Vosposten, Havat Ma’on und Avigayil, die sowohl nach internationalem Recht als auch nach israelischem Recht illegal sind und in denen Gemeinschaften von sehr gewalttätigen national-religiösen Siedlern leben. Sarura befindet sich im „Gebiet C“ der West Bank, das gemäß den Oslo-Abkommen sowohl ein Gebiet der zivilen als auch der militärischen israelischen Verwaltung ist. Hier ist die Besetzung am härtesten zu spüren: Die israelische Behörde regelt jeden Aspekt des palästinensischen Lebens. Darüber hinaus wurde das Gebiet, in dem sich Sarura befindet, von der israelischen Armee als „Feuerzone“, d.h. als Truppenübungszone, deklariert, um die palästinensischen Einwohner zu vertreiben.

Sarura: Das Zurückkehren

Seit Mai 2017 sind die Jungen und Mädchen von YOS in das palästinensische Dorf Sarura zurückgekehrt, das in den 90er Jahren aufgrund der wiederholten Gewalt der israelischen Siedler aufgegeben wurde. Das Ziel ist, diese Zone wieder zu besiedeln und die Beschlagnahme des Landes durch Siedler oder die israelische Armee zu verhindern. In diesen zwei Jahren unterhält YOS im Dorf Sarura (Sumud Freedom Camp) eine 24-Stunden-Sicherheitszone und führte gleichzeitig Renovierungsarbeiten durch, obwohl israelische Soldaten und Siedler andauernd gewaltsam und aggressiv vorgingen. Bis heute haben die Jungen zwei Höhlen, in denen sich derzeit einige befinden, komplett renoviert, ein Bad im Freien gebaut, Oliven- und Mandelbäume neu gepflanzt und das Land im Tal weiter bearbeitet.

Durch diese Aktivitäten haben die Jungen und Mädchen von YOS nicht nur einen verlassenen Bereich wieder zum Leben erweckt: Sie haben ihr Leben selbst in ihre Hand genommen, eine neue Realität erschafft, die ihre Ideale widerspiegeln. Sie haben aufgehört, passive Subjekte der israelischen Besatzung zu sein und haben Hoffnung in ein palästinensisches ländliches Gebiet gebracht.

Die Erfahrung von YOS in Sarura ist auch für andere junge Palästinenser zum Vorbild und Unterstützung geworden. YOS reist oft in andere Gebiete des besetzten Palästinas, um anderen gewaltfreien Widerstand zu unterstützen und zu erzählen, was sie getan haben und immer noch machen, um andere zu motivieren, Maßnahmen zu ergreifen.

Schutz und Überwachung:

YOS setzt sich auch für den gewaltfreien Schutz und die Überwachung von Menschenrechtsverletzungen im südlichen Hebron-Gebiet ein. Die Gruppe steht den Hirten nahe und ist bereit, mit Telefonen und Videokameras einzugreifen, um Verletzungen der Menschenrechte (Körperverletzungen, Verhaftungen, verbale Drohungen, Zerstörung von Bäumen und Feldfrüchten usw.) zu dokumentieren. Internationale Freiwillige haben begonnen, die Tätigkeiten der Gruppe YOS zu unterstützen, zum Beispiel bei der Überwachung der militärischen Eskorte für die Kinder, die von Tuba jeden Tag in die Schule von At-Tuwani gehen. YOS hat immer mit mehreren israelischen Gruppen zusammengearbeitet. Sarura wurde dank der Zusammenarbeit mit israelischen und jüdischen Diaspora-Aktivistengruppen wiedergeboren und ist nach wie vor ein wichtiger Treffpunkt für die verschiedenen Gruppen.